Umzugsgedanken 11 Stunden vor den Möbelpackern

In Gedanken habe ich euch diesen Blog-Eintrag mindestens 25 Mal geschrieben.

Während ich das Basteleck zusammengepackt und mich für das Aufheben jedes Papierschnipsel verdammt habe.

Während ich mein Gewand in Taschen gepackt habe, als die Tage an zwei Händen abzuzählen waren und das noch nötige Gewand in einen IKEA-Pax-Korb gepasst hat.

Während ich in der Straßenbahn gefahren bin, um die Kinder abzuholen - in der ewigen Zerrissenheit zwischen geduldiger Mutterschaft und den zu erledigenden Alltags-To-Dos und dachte, dass ich schreiben muss, um etwas von dem unheimlichen Druck loszuwerden, weil ich nichts lieber als ehrlich und realistisch bin und Sonnenscheingeblogge von der Leserseite her nicht leiden kann - nur... wer hat während eines Sturmes schon Zeit zu schreiben?

Als ich den Kühlschrank mit all seinen anmagnetisierten Zeichnungen, Erinnerungen, Gutscheinen, Postkarten und Terminen aufgeräumt habe und über die erste erkennbare Qualle und den schönen Igel gestolpert bin, über die Postkarte auf der steht, "Wo beginnt die Fremde, wenn man ein Suchender ist?"*, die Kindergartenabschiedsfesttermine, die Papierkatze, die sie zum 3. Geburtstag in der Krippe bekommen hat, das Zeichen, das sie im großen Kindergarten bekommen und als Anhänger zum Einprägen mit nach Hause bekommen hat, die Laternen von beiden, die oben am Kühlschrank stehen, die Karten von Samis Tante und Onkel, die uns seit 12 Jahren immer zum Hochzeitstag gratulieren. Der Storch-Magnet, den die kleine Miss von ihrer Tante bekommen hat und den ich schon 4 Mal gesuperklebert habe (seitdem ich begonnen habe, diesen Blog zu schreiben, sogar Mal 5, 6 und bei 7 aufgegeben und ihn entsorgt habe), den Elefantenmagneten, den ihr Sami aus Indien mitgebracht hat. Die Apothekenrezepte, die ich nie eingelöst habe. Der Anhänger, den sie bei ihrem Ausflug ins Haus des Meeres mit dem Kindergarten bekommen hat. *Satz aus: Die Brille des Coppelius von Alexej Parin

Während ich den Ofen drei Schwämme hindurch anti-Tarantino-t habe (Nie wieder Splatter-Movies in dieser Küche!).

Als ich Fliesen über Whats-App-Fotos ausgesucht habe, statt mit Sami selbst dort gewesen zu sein und die vielen Gelegenheiten, wenn ich neben ihm saß, während er auf willhaben die Sachen jagte, die man getrost auch 2nd hand kaufen kann.

Während ich mit dem kleinen Lord für seine Mandel-OP im Spital war - Tag 7, 6 und 5 vor dem D-Day und mir dachte: "So ein irres Timing haben nur wir."

Als die Waschmaschine vor 4 Wochen nach nur 4 Jahren w.o. gegeben hat und ich seither in den 22. zum Waschen pendle.

Als ich Verträge unterschrieben und seitenweise Verpflichtungen eingegangen bin.

Als ich uns drei Paradeisstauden gekauft habe.

Als ich eine Packung Salz in die neue Küche gestellt habe.

Während wir auf den Kindergarten-Abschlussfesten waren.

Als ich neuneinhalb Kilo Marillen zweieinhalb Wochen vor dem Umzug eingekocht habe, weil sie eben genau jetzt reif sind.

Als ich meine Handtasche mit dem Deo nicht mehr fand, den Tiefpunkt erreichte und Samis verwendet habe - Don't try this at home: Männerdeos stinken bei Frauen.

Als wir das letzte Mal hier zu Abend gegessen haben, als ich das letzte Mal den Geschirrspüler aufgedreht habe, als ich das letzte Mal auf "Meinem" Postamt am Elterleinplatz war, als wir heute nach dem Kindergarten das letzte Mal den Weg zu Fuß nach Hause gegangen, bei Bipa stehengeblieben sind und die kleine Miss alleine Kaugummis kaufen gegangen ist. Als ich mir überlegt habe, dass man oft nicht weiß, wann das letzte Mal für etwas ist... ich wusste nicht, dass es das letzte Mal war, dass wir in "unseren" Park gehen, während wir dort waren. Ich wusste nicht, dass es sich einfach nicht noch einmal ausgehen würde.
Deswegen schreibe ich euch jetzt - meinen letzten Blogeintrag aus dem wunderschönen Altbau von 1860 - und versuche mich in all dem Chaos mit einer Sache, die ich steuern kann, zu erden.


Abschiede sind hart für mich. I suck at saying goodbye.

Und ich sitze nun hier, in einer Wohnung, der wir nach und nach das Leben, das sie die letzten vier Jahre erfüllt hat, herausgetragen haben. Die Wohnung, in die wir den kleinen Lord nachhause geholt haben - das ist für ihn das bisher einzige Zuhause. Ich versetze mich in seine Lage und weine bittere Tränen um jeden Satz, den er hier gesagt, jedes Aua, das er sich geholt hat. Für ihn werden das in ein paar Jahren nur mehr Erinnerungen aus Erzählungen sein.
In 11 Stunden kommen die Möbelpacker, die den Rest dieser Seele über einundachtzig Stiegen heruntertragen werden. Ein-und-achtzig, ein-und-achtzig. Ich habe sie gezählt, als wir eingezogen sind, ich habe sie verflucht, als die kleine Miss mit gerade 13 Monaten sie nicht gehen wollte, ich habe sie geliebt, wenn oben schon eine bekannte Stimme zu hören war, die die kleine Miss nach oben lockte. Regina, unsere Nachbarin, hat oft auf sie gewartet, wenn sie sie schreien und toben gehört hat und sie heraufgelockt. Das kleine Kasterl vor der Eingangstüre, dass ihr "Postkasterl" war, hat Regina genutzt, um ihr all die Gummibärli und Smarties zuzuschieben, die ihr die Frau Rabenmutter versagt hat.

Es ist schwer all das zurückzulassen und das, obwohl wir in die absolute Vertrautheit eintauchen - das Reihenhaus, in das wir ziehen, ist dasselbe in das ich mit 5 Jahren ein- und mit 20 auszog. Genauso alt wie die kleine Miss es jetzt ist. Wir kennen die Gegend, weil wir in "Omas und Opas Haus" ziehen.
Aber das hier, der 17., das war "unseres". Unsere Geschichte. Unser Wagnis. Wir waren uns vor 4 Jahren nicht sicher, ob es der richtige Platz für uns ist. Heute weiß ich, dass er es war. Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mein Herz hier so hängen bleibt.
Während es in unserer alten Wohnung nur 2 Erlebniswelten (und kurz eine dritte) gab, waren es hier 4 Lebensgeschichten, die hier ein Stück weit geschrieben wurden - und soweit ich es konnte, habe ich sie alle in mich aufgesogen. Sie sind der Strom für meinen Akku.
Jetzt ist es Zeit, für ein neues Kapitel und ich frage mich, wieso jemand, der so gerne schreibt, so ungern unbeschriebene Seiten vor sich hat.



Jedes Mal, wenn ich euch schreiben wollte, dachte: "Das ist DAS zentrale Umzugsfeeling. Das ist es, was ich schreiben muss, weil es mich sonst auffrisst." Mit jedem Mal hat sich das, was ich schreiben wollte, verändert. Umziehen ist vieles. Vorfreude, Abschied, Zurücklassen, sich Entscheiden dürfen und sich Entscheiden müssen. Ja, vielleicht ist das der Kern der Sache - das Dürfen und das Müssen, das nur in einem von Zeitfaktoren, Kontostand und persönlicher Belastbarkeit abgesteckten Dreieck passieren kann.

A summer full of DIY

Das erste Mal malen
Es wird diesen Sommer wieder Do It Yourself-ig.

Wir ziehen um... (Wir - das sind Herr und Frau Erziehungsberechtigte, die kleine Lady und der kleine Lord, die Katze und das veronicard-Bastelzimmer, 80 Kisten und ein Klavier.)

Und im Klartext heißt das, dass wir neben dem einen oder anderen Tipp zu den Do's and Don'ts des Renovierens auch wieder ganz konkrete Projekte verwirklichen werden... ähm, naja: wollen. Und wie diese Reise zum schönen Heim diesmal - wir sind ja erst vor gut vier Jahren umgezogen - aussehen wird, erzähle ich euch hier Stück für Stück... sofern ich nicht vergesse Beweisfotos für Step-by-Step-Do-It-Yourself-Challenges zu machen.

Ja, ich weiß, man sollte meinen, dass das als Blogger meine Aufgabe wäre, aber damit wären wir bei einem zentralen Thema, das mich in den letzten Monaten immer wieder beschäftigt: Ich bin keine Bloggerin. Ich bin eine Macherin (oder eben auch Bleibenlasserin). Jemand, der beim Selbermachen immer wieder auf neue Ideen kommt oder beim Umsetzen einer irgendwo (oft auf Pinterest oder in Geschäften) aufgegabelten Idee draufkommt, WIE man das WIRKLICH selbst machen kann. Und welche D-Tour man sich sparen kann. Und genau deshalb gibt den Blog.




Was alles noch kommen wird, steht noch in den Sternen. So viel ist sicher: es werden einige IKEA-Hacks dabei sein, was bisher als Kompost diente, wird in ein Hochbeet transformiert, es werden Fliesen gelegt und ein Parkett abgeschliffen, eine Echtholz-Garderobe in heller shabby-chic Optik wiedergeboren, alte Kommoden zur Unkenntlichkeit schönheitsoperiert und die Fähigkeiten von Möbelfolie auf Herz und Nieren getestet. Es wird ein Bastel-/Näh-/Werkzimmer geben - hoffentlich mit neuem, basteltauglichem Bodenbelag - und eine Waschküche, die mehr können wird müssen, als nützlich sein. Dann wäre da noch das Kellerstiegenstreichprojekt. Wir werden eine Antwort auf die Frage "Kann man eine beschichtete Küchenplatte mit Tafelfarbe bemalen?" finden.
Wir wägen derzeit noch Preis-/Zeit-/Leistung verschiedener Projekte ab:
Soll es ein Kinder-Gartenspielhaus aus Paletten (bei dem man ordentlich Schiefer-frei schleifen und wetterfest lackieren muss) geben oder kaufen wir lieber ein Holzhäuschen?
Wie sichert man am besten seine Fahrräder (Aufhängevorrichtungen an der Mauer, ein Metallständer oder doch ein Fahrrad-Ständer aus... drei Mal raten... richtig: Paletten...) und braucht es eine Konstruktion zum Unterstellen oder doch nur eine Plane?



Und dann - ganz wichtig - werde ich euch auch so akkurat wie möglich berichten, was der Spaß so kostet. Wie ihr wisst: ich mag's gut, aber preislich angemessen. Genau deshalb heißt es: Do It Yourself.


P.S.: ...Do it yourself... oder finde heraus, wo man am besten findet, was du suchst - unsere Browerstartseite heißt mittlerweile: willhaben.at

P.P.S.: ...und quasi als Vorschuss, dass ich euch reinen Wein einschenken und VOR ALLEM auch die Don'ts erzählen werde, hier gleich ein Vorgeschmack:

Wenn man ein Sonnensegel auf der Terrasse befestigt und vor den skeptischen (Schwieger)Eltern prahlt, dass es allwetterfest ist, sollte man es doch vor einem Mordssturm abnehmen. Kann sein, dass es sonst die Hälfte der Verankerungen rausreißt.

Darüber hinaus muss ich davon abraten, Kindern mit Paradeisern im Goscherl ein frisch gestrichenes Zimmer zu zeigen. Sie beißen dann begeistert auf den Paradeiser, weil sie das Werk lobend anerkennen wollen... und dann steht man nochmal 30 Minuten, um die roten Flecken zu übermalen.

Es wird lustig.

Danke fürs Vorbeilesen!